Die Piazza Maggiore dürfte für die Meisten der Ausgangspunkt für eine Erkundung von Bologna sein. Der zentrale Platz ist zu fast jeder Tages- und Nachtzeit sehr lebendig. Insbesondere in den wärmeren Monaten wechselns sich hier die – ausgesprochen guten – Straßenmusiker mit ihren Darbietungen ab, denen man von den Stufen der Basilica di San Petronio oder von einem der Lokale im Palazzo del Podestà aus lauschen kann. Ich kann nur empfehlen, hier einen Nachmittag oder Abend bei einem Aperitivo zu verbringen und die Stimmung einfach in sich aufzusaugen.
Was gleich zu Beginn über Bologna gesagt werden kann: Es ist keine typische Touristenhochburg. Ja, es gibt Tourismus, aber man wird wenig Deutschen begegnen. Eher hat man den Eindruck, dass es viele Italiener aus anderen Regionen in die Stadt zieht. Daher wird man kaum auf Einheimische treffen, die Deutsch sprechen und auch Englisch ist nicht überall an der Tagesordnung, insbesondere nicht auf den Märkten oder in kleineren Geschäften. Erfreulich sind die Preise in der Stadt, insbesondere die Eintrittspreise für Sehenswürdigkeiten. Diese liegen mitunter nur bei drei bis fünf Euro.
Ein erster Anlaufpunkt in der Stadt kann die Tourismusinformation sein. Diese befindet sich im Palazzo del Podestà auf der der Basilika zugewandten Seite. Hier bekommt man unter anderem die Bologna Welcome Card. Diese ist insbesondere dann interessant, wenn man die eine oder andere Stadtrundfahrt plant, weil sie in der Plus-Version den City Red Bus und den San Luca Express bereits einschließt und man sich damit noch ein paar Euro sparen kann.
Rund um die Piazza Maggiore gibt es jede Menge historischer Gebäude. Am auffälligsten ist wohl die Basilica San Petronio. Sie ist mit einer Länge von 132 Metern, einer Breite von 60 Metern und einer Gewölbehöhe von 45 Metern die fünftgrößte Kirche der Welt und mit einem umbauten Raum von 258.000 Kubikmetern die größte Backsteinkirche.

Wendet man sich von der Basilika aus nach links, findet man dort den langgestreckten Palazzo dei Banchi. Sein Name geht auf die Geldwechsler und Banken zurück, die früher dort ansässig waren. Heute findet man seinen Arkadengänden vor allem kleine Geschäfte und Lokale. Dort dem Palazzo ist außerdem die Haltestelle des San Luca Express, der sehr zu empfehlen ist, wenn man das Santuario della Madonna di San Luca besuchen will, das auf einem Hügel oberhalb Bolognas liegt. Außerdem sollte man einen Blick durch die großen Bögen hindurch auf die Gassen hinter dem Palazzo dei Banchi werfen. Dieser wurde im 16. Jahrhundert errichtet, um die kleinen Gassen und uneinheitlichen mittelalterlichen Gebäude dort zu verdecken und ein einheitliches, aufgeräumtes Bild auf der Piazza Maggiore zu schaffen. Hinter dem Palazzo herrscht eifriges Markttreiben mit Obst- und Gemüseändlern und kleinen Läden, die Fisch und Wurstwaren anbieten.

Direkt gegenüber der Basilica di San Petronio schließt der Palazzo della Podestà die Piazza Maggiore nach Süden hin ab. Eigentlich handelt es sich um ein Doppelgebäude, denn südlich wurde direkt an den Palazzo della Podestà der Palazzo Re Enzo angebaut.
Der Palazzo della Podestà wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Er war Sitz der namensgebenden Podestà, des Magistrats von Bologna. Ich kann empfhlen, sich hier ab dem Nachmittag einen Platz in einer des Bars zu suchen und einfach die Musik und das Treiben auf der Piazza zu genießen. Aber aufgemerkt: Ab etwa 16 Uhr bekommt man hier keinen Kaffee mehr. Hier ist es üblich, am späten Nachmittag einen Aperitivo zu wählen.

Von der Piazza Maggiore aus nicht zu sehen ist der Palazzo Re Enzo, der ebenfalls im 13. Jahrhundert und zwar schon etwa 40 Jahre nach dem Palazzo della Podestà als dessen Erweiterung an diesen angebaut wurde. Einen besonders schönen Blick darauf hat man von der Piazza del Nettuno aus. Der Palazzo Re Enzo erhielt seinen Namen, weil König Enzo von Sardinien, Sohn von Kaiser Friedrich II., hier von 1249 bis zu seinem Tod 1272 als Gefangener gehalten wurde.
Durch die beiden Palazzi hindurch führen zwei sich kreuzende Gänge. An ihrem Treffpunkt, dem Voltone del Podestà, befindet sich das „Telefono senza fili“, eine akustische Besonderheit: wenn man in einer Ecke flüstert, kann es in der gegenüberliegenden Ecke gehört werden.

An der Westseite der Piazza Maggiore befindet sich schließlich der Palazzo d’Accursio. Er wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert als Wohnhaus des Juristen Accursius errichtet, wodurch er auch seinen Namen erhielt. Später wurde der Palazzo von der Stadt gekauft, mehrfach umgebaut und als Rathaus genutzt, was ihm auch den Namen Palazzo Comunale einbrachte. Auch heute hat hier die Stadtverwaltung ihren Sitz. Außerdem beherbergt der Palazzo ein Museum.
Besonders markant wird der Palazzo d’Accursio durch den Torre dell’Orologio, der über ihn aufragt. Auch der Turm wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet und mehrfach umgestaltet. Die heute sichtbare Uhr stammt aus dem 18 Jahrhundert. Zuvor verfügte der Turm bereits über eine Sonnenuhr und ab dem 14. oder 15. Jahrhundert über eine mechanische Uhr, die aber noch kein sichtbares Ziffernblatt hatte, sondern mit den Glocken im Turm verbunden war und darüber die Zeit angab.
Heute kann der Turm besichtigt werden und bietet einen wunderschönen Ausblick über die Innenstadt Bolognas. Außerdem gibt es dort auch die Möglichkeit, das Uhrwerk zu sehen und eine Ausstellung zum Thema Zeitmessung zu besuchen.

Auf jeden Fall sollte man der Piazza Maggiore auch nachts einen Besuch abstatten. Die umliegenden Gebäude sind dann wunderbar beleuchtet, ein Anblick, den man sich nciht entgehen lassen sollte!





