Eines der bedeutensten Schlösser Europas: Die Würzburger Residenz

Obwohl Würzburg eher beschaulich wirkt, zählt die Stadt mit ihren mehr als 120.000 Einwohnern zu den bayerischen Großstädten und ist derzeit die siebtgrößte Stadt in Bayern. Bedeutung erlangte Würzburg bereits im Mittelalter und es gibt jede Menge Gründe, die dafür sprechen, der Stadt einen Besuch abzustatten. Würzburg wurde bereits 704 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits im Mittelalter war die Stadt ein bedeutendes wirtschaftliches und religiöses Zentrum. Die älteste Universität Bayerns hat hier ihren Sitz und nicht zuletzt wurde die Würzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz bereits 1981 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen, nach dem Dom in Aachen und dem Dom zu Speyer als drittes deutsches Bauwerk.

Egal ob man mit dem Auto oder mit der Bahn nach Würzburg kommt, zumeist fällt einem bei der Anreise die Festung auf dem Berg an der linken Mainseite auf. Um gleich einem Irrtum vorzubeugen: Der weithin sichtbare Bau ist nicht die Würzburger Residenz, sondern die Festung Marienberg, die ebenfalls zu Würzburg gehört. Die Residenz befindet sich am rechten Mainufer im Zentrum der Altstadt und unweit des Doms. Die Residenz ist deutlich jünger als die Festung. Sie wurde zwischen 1719 und 1778 nach Entwürfen von Balthasar Neumann errichtet, einem der bedeutensten Baumeister des süddeutschen Barock, und diente bis zur Säkularisation als Sitz der Würzburger Fürstbischöfe.

Die Residenz, das wird jedem sofort klar, der den Residenzplatz betritt, hat enorme Ausmaße. Sie ist 167 Meter lang und 97 Meter breit, in ihrem Inneren gibt es mehr als 300 Räume. Leider nahm die Residenz beim Bombenangriff am 16. März 1945 beträchtlichen Schaden, insbesondere die beiden Seitenflügel. Wie durch ein Wunder blieben aber die Säle und das Treppenhaus im Hauptbau weitgehend unbeschädtigt, obwohl auch dort das Dach abgebrandt ist. Den amerikanischen Besatzern ist es zu verdanken, dass nicht einmal vier Wochen später bereits eine Abdeckung für den Schutz der Räume sorgte und bis zum September 1945 ein Notdach aufgesetzt wurde. Zahlreiche Räume können deshalb nahezu im Originalzustand besichtigt werden, einige als Rekonstruktion.

Einer der ersten Räume, den man bei einem Besuch der Residenz betritt, ist der Gartensaal, der im Erdgeschoss liegt und einen wunderbaren Blick auf den Hofgarten freigibt.

Balthasar Neumann griff bei der Planung des Gartensaals auf einen Raumtypus zurück, der eher im Kirchenbau als bei Schlössern typisch ist. Er untergliederte den relativ niedrigen Raum durch dünne Säulen und spannte die Decke zwischen ihnen wie eine Art Baldachin, was die Konstruktion so luftig leicht erscheinen lässt.

Einer der beeindruckndsten Räume in der Residenz ist das Treppenhaus. Über ihm erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 670 Quadratmetern das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Geschaffen wurde es zwischen 1752 und 1753 von Giovanni Battista Tiepolo aus Venedig, dem berühmtesten Freskenmaler seiner Zeit, und seinen Söhnen. Bereits während der Bauzeit wurde das Treppenhaus von Zeitgenossen Neumanns kritisch beäugt. Angeblich soll ein Kollege Neumanns mit ihm gewettet haben, dass das riesige Gewölbe einstürzen würde, sobald as Baugerüst weggenommen würde. Neumann soll dagegen gehalten haben, dass man im Vestibül der Residenz sogar Geschütze abfeuern könnte, ohne dass die Decke durch die Druckwelle Schaden nehmen würde. Dass diese tatsächlich dem Bombardement 1945 standhielt, zeugt von den hervorragenden Konstruktionskünsten Neumanns.

An der Decke des Treppenhauses sind die vier zur Bauzeit bekannten Kontinente dargestellt, erkennbar unter anderem an den Tieren, die zu sehen sind. Allerdings war Tiepolo wohl vielen davon nie selbst begegnet, weshalb zum Beispiel der Elefant einen sehr eigentümlichen Rüssel hat.

Die meisten Räume, die man besichtigen kann, insbesondere der weiße Saal, der Kaisersaal und die nördlichen und südlichen Kaiserzimmer, befinden sich im Obergeschoss. Hier sagen Bilder mehr als Worte.

Die Residenz Würzburg kann täglich besichtigt werden, von April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr und von November bis März von 10 bis 16.30 Uhr. Man kann die Räume eigenständig ansehen, die Beschilderung gibt umfangreiche Informationen zu dem, was zu sehen ist. Es ist aber auch möglich, sich ohne zusätzliche Kosten einer der regelmäßig stattfindenden Führungen anzuschließen. Diese finden zu jeder vollen und halben Stunde statt und dauern etwa eine Stunde. Tickets können nur direkt in der Residenz gekauft werden. Besonders angenehm für Familien: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Ticketpreisen finden sich hier.

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