Die Wiener Opernwelt

Wien, das bedeutet nicht nur Sacher, Heurigen und Wiener Schmäh, sondern auch Oper und Operette. Wer der österreichischen Hauptstadt einen Besuch abstattet, sollte auf keinen Fall einen Besuch in einem der beiden großen Opernhäuser, der Wiener Staatsoper und der Volksoper, verpassen. Und das nicht nur am Abend, bei einer der herrlichen Opern- und Operetteninszenierungen, sondern durchaus auch am Tage bei einer Führung durch das Haus.

Ich hatte das Glück, bei meinem letzten Besuch in Wien die Saisoneröffnung mitzuerleben, die mir einen großen Vorteil einbrachte: Sowohl die Staatsoper als auch die Volksoper öffneten kostenlos ihr gesamtes Haus, sodass es die Möglichkeit gab, buchstäblich hinter die Kulissen zu blicken und sogar selbst auf den großen Bühnen zu stehen.

Zur Geschichte der Wiener Staatsoper

Der Bau der Wiener Staatsoper, die 1869 eröffnet wurde, ist mit zwei tragischen Schicksalen verbunden. Geplant wurde das Gebäude von den beiden Architekten August von Sicardsburg und Eduard van der Nüll. Doch keiner von beiden erlebte die Fertigstellung des Baus. Die Bauarbeiten der Oper dauerten von 1861 bis 1869, doch schon während dieser Zeit wurde Kritik an dem Gebäude laut. Die Staatsoper sollte das erste Gebäude des neuen Prachtboulevards Wiener Ringstraße werden, doch fiel der geplante Monumentalbau im Vergleich zu einem gegenüberliegenden privaten Zinshaus (im Zweiten Weltkrieg zerstört) nach Meinung der Öffentlichkeit und auch Kaiser Franz Josephs zu mickrig aus. Außerdem wurde nach Baubeginn der Oper das Straßenniveau der Ringstraße um einen Meter angehoben, was die Oper buchstäblich in der Versenkung verschwinden ließ.

Eduard van der Nüll, der für die Innendekoration zuständig war, verkraftete die harsche Kritik nicht und beging am 4. April 1968 Selbstmord. Sein Freund Sicardsburg, der den Grundplan entworfen hatte, erlag nur zehn Wochen später einem Schlaganfall. Es heißt, Kaiser Franz Joseph habe auf den Selbstmord van der Nülls so schockiert reagiert, dass er sich von da an zu allen neuen Kunstphänomenen nur mit der stereotypen Phrase „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“ geäußert hätte. Das ist übrigens ein Satz, mit dem Kaiser Franz Joseph 1907 auch in der Operette „Ein Walzertraum“ von Oscar Straus und 1930 im Singspiel „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky erscheint.

Nach der Eröffnung der Oper, die mit einer Aufführung von Mozarts „Don Juan“ gefeiert wurde, bei der auch Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (Sissi) anwesend waren, nahm mit den ersten Aufführungen die Kritik allmählich ab. Namhafte Direktoren wie unter anderem auch Gustav Mahler verliehen dem Opernhaus einen hervorragenden Ruf.

Während des zweiten Weltkriegs geriet die Oper während eines Bombardements in Brand, der Zuschauerraum und die Bühne brannten aus. Der Wiederaufbau begann unmittelbar nach Kriegsende, die Wiedereröffnung erfolgte am 5. November 1955.

Die Wiener Volksoper

Die Volksoper könnte man als kleine Schwester der Wiener Staatsoper bezeichnen. Das Haus war während des Wiederaufbaus der Staatsoper sogar eine der beiden Ausweichspielstätten des großen Opernhauses. Ursprünglich wurde die Volksoper 1898 als „Kaiser-Jubiläums-Stadttheater“ und war ein reines Sprechtheater. 1903 wurden Singspiele und Opern in das Repertoire aufgenommen, 1904 erfolgte die Umbenennung in Volksoper.

 

Blick aus dem Zuschauerraum der Wiener Volksoper

Heute ist die Volksoper vor allem für ihre herrlichen Operettenaufführungen bekannt. Einen Besuch kann ich nur empfehlen. Gespielt wird fast täglich und Karten gibt es oftmals auch noch kurzfristig. Gespielt werden beispielsweise „Die Csardasfürstin“, „Der Zigeunerbaron“ und natürlich regelmäßig „Die Fledermaus“

Führungen

Es ist natürlich auch möglich, während des Jahres an einer Führung durch die Wiener Staatsoper teilzunehmen. In der Volksoper gibt es keine regelmäßigen Führungen.

Die Wiener Staatsoper bietet fast täglich die Möglichkeit, in einer 40-minütigen Führung durch das Haus über die Feststiege durch die Prunkräume (Teesalon, Marmorsaal, Schwindfoyer, Gustav Mahler-Saal) bis in den Zuschauerraum mit Blick auf die Bühne zukommen. Auf die Bühne geht es in dieser Führung nicht, doch wird einiges zum täglichen Opernbetrieb, zu Architektur des Hauses und zu seiner Geschichte erzählt.

Wo?

Führungszeiten
Die Zeiten variieren je nach Spielbetrieb und sind etwa einen Monat vorher unter auf der Website der Wiener Staatsoper einsehbar.

Ticketpreise
Erwachsene: 9 Euro
Senioren/Rentner (ab 65 ): 7 Euro
Kinder, Schüler, Azubis, Studenten (bis 27): 4 Euro

Website
https://www.wiener-staatsoper.at/

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