Wenn man mehr als nur ein oder zwei Tage in Venedig verbringt, sollte man unbedingt auch einen Abstecher zu den Inseln Murano und Burano machen. Beide Inseln liegen in der Lagune von Venedig und gehören zur Stadt. Beide Inseln sind für Kunsthandwerk bekannt, Murano insbesondere für Glaskunst von Schmuck über Geschirr bis Lampen und natürlich Skulpturen jeglicher Art. Auf Burano dagegen wird vor allem Spitze hergestellt. Beide Inseln sind von Kanälen durchzogen, Burano zieht die Touristen außerdem durch die besonders farbenfroh bemalten Häuser an.

Das gibt es auf Murano zu sehen
Murano war für Venedig früher von doppelter Bedeutung. So befanden sich im Mittelalter fünf der insgesamt zwölf Anlagen, mit denen Venedig Salz aus dem Meer gewann, bei Murano. Heute aber für die Insel noch wichtiger: Ab ca. 1.000 n. Chr. wurde auf Murano Glas produziert. Die Herstellung von Glas war für Venedig von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Um das Geheimnis der Produktion zu erhalten und auch wegen des Brandschutzes wurden 1295 alle Manufakturen nach Murano ausgelagert. Den Glasbläsern drohte die Todesstrafe, sollten sie wagen das gut gehütete Geheimnis weiterzugeben. Das Geheimnis blieb gewahrt und so gibt es heute jede Menge kleiner Geschäfte, in denen Glaskunst verkauft wird. Außerdem gibt es auch Möglichkeiten, in Manufakturen den Glasbläsern über die Schulter zu schauen.
Zu kaufen gibt es vor allem jede Menge Glasschmuck, aber auch sehr schöne, filigrane Glastierchen. Ich rate dazu, zum einen immer in den Schaufenstern der Läden immer nach dem Sigel „Vetro Artistico Murano“ zu suchen, zum anderen Angebote zu meiden, die deutlich günstiger sind, als in anderen Läden. Leider ist nicht alles Glas, das auf Murano verkauft wird, auch wirklich von der Insel. Tatsächlich findet man nämlich in den überaus günstigen Touristenshops auch Ware „made in China“.
Wer mehr über die Glasherstellung und die besondere Glaskunst von Murano erfahren möchte, sollte unbedingt das Museo del Vetro (Glasmuseum) im Palazzo Giustinian aufsuchen. Dort erfährt man unter anderem, wie Glas produziert wird und wie die hübschen Millefiori-Muster hergestellt werden. Außerdem kann man Glaskunst uns mehreren Jahrhunderten bis zurück in die Spätantike bestaunen.
Sehenswert ist auf der Insel außerdem die Basilica dei Santi Maria e Donato, die unweit des Glasmuseums liegt. Die Kirche gehört zu den ältesten religiösen Bauwerken in der Lagune von Venedig und hat eine beeindruckende Fassade mit zwei übereinander liegenden Arkadenreihen. Im Inneren der Kirche sollte man unbedingt den Fußboden genau betrachten. Dort finden sich zahlreiche Mosaike mit – teilweise sehr lustigen – Tiermotiven. das Taufbecken hat eine moderne Abdeckung erhalten: eine Scheibe aus herrlich gestaltetem Murano-Glas.
Das gibt es auf Burano zu sehen
Bereits wenn man sich Burano mit dem Schiff nähert, fällt auf, dass die kleinen Häuser wundervoll bunt angemalt sind. Ursprünglich geht die bunte Bemalung auf die Fischer zurück, die früher die Insel bevölkert haben. Wenn diese morgens oder abends zum Teil im Nebel zurück nach Hause fuhren, konnten sie an der bunten, zu den Nachbarhäusern möglichst stark kontrastierten Bemalung ihr eigenes Haus leichter identifizieren und ansteuern.
Auf Burano sollte man sich vor allem Zeit nehmen, um die vielen kleinen Läden zu besuchen, die Spitze bzw. damit verzierte Wäsche und Kleidungsstücke verkaufen. Dabei kommt man sicher auch an der Chiesa di San Martino Vescovo vorbei. Nein, es ist keine Täuschung: der Kirchturm steht tatsächlich extrem schief.
Tipps
Murano und Burano sind von Venedig aus mit Vaporettos, den venezianischen Wasserbussen, gut erreichbar. Die meisten Vaporettos Richtung Murano und Burano starten von der Haltestelle Fondamente Nove (Linien 4.1, 12 und 13), es gibt aber auch Schiffe von Ferrovia S. Luca (Hauptbahnhof, Linie 3) aus. Es gibt auch diverse andere Shuttleservices, welche die Inseln anfahren, allerdings alle deutlich teurer als die Vaporettos von ACTV (öffentliche Verkehrsmittel in Venedig).
Es empfiehlt sich, für die beiden Inseln einen ganzen Tag einzuplanen, denn nicht nur die Überfahrt – vor allem nach Burano – dauert etwas länger. Es gibt auf beiden Inseln viel zu sehen, nicht zuletzt die vielen kleinen Läden, in denen man sich über Besucher freut, auch wenn nicht immer gekauft wird. Außerdem sollte man bereits morgens starten und Feiertage vermeiden. Ab der Mittagszeit werden die Schiffe spürbar voller, Warteschlangen an den Haltestellen oder überfüllte Schiffe, die niemanden mehr aufnehmen, sind dann keine Seltenheit. Mit der City Card von Venedig gibt es an manchen Haltestellen die Möglichkeit, an den langen Schlangen als Vorzugspassagier vorbeizukommen. Auf den Inseln selbst verteilen sich die Touristen wieder ganz gut, sobald man den Hafenbereich verlassen hat.
