Ich versuche immer, wo ich auch bin, etwas von der lokalen Küche zu probieren. In Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, bin ich bei meiner Suche nach einem Restaurant auf etwas ganz Besonderes gestoßen: Das Restaurant Zum Domstein, das original römische Küche anbietet. Da konnte ich gar nicht anders, als das auszuprobieren.

Wer bei römischer Küche an Pizza und Pasta denkt, liegt im Fall des Trierer Lokals komplett falsch. Das Restaurant, das auch „normale“ Gerichte wie Wiener Schnitzel und Rindergulasch oder regionale Speisen wie Trierer Spießbraten und Eifeler Wildragout anbietet, zeichnet sich durch Gerichte aus, die nach einem altrömischen Kochbuch zubereitet werden.
Für diejenigen, die es nicht wissen: Trier ist über 2000 Jahre alt, wurde von den Römern gegründet und war um 350 n. Chr. mit zwischen 80.000 und 100.000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen. Man könnte Trier durchaus als ein zweites Rom bezeichnen und kann dort zahlreiche Überreste von Bauwerken aus römischer Zeit besichtigen.
Doch zurück zur altrömischen Küche. Das Lokal Zum Domstein befindet sich heute an der Stelle, an der um 320 n. Chr. eine der vier großen Basiliken errichtet wurden, die das Zentrum der Stadt und Kaiser Konstantin beherrschten. Da lag es für die Inhaber des Lokals wohl nahe, die römische Geschichte auch in die Küche einfließen zu lassen. Gekocht werden die speziellen Gerichte nach dem Kochbuch „De re coquinaria“ das dem Römer Marcus Gavius Apicius zugeschrieben wird. Es handelt sich um das älteste Kochbuch der römischen Antike, das noch heute erhalten ist, und stammt vermutlich aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, also genau jener Zeit, die für Trier von so großer Bedeutung ist. Das Kochbuch ist heute in zwei karolingischen Handschriften des 9. Jahrhunderts erhalten (eine wird in der New York Academy of Medicine aufbewahrt, die andere in der Bibliothek des Vatikans).
Die römischen Speisen gibt es á la carte und auch als Menü. Meine Empfehlung geht definitiv zum Menü, da man mit einem einzelnen Gericht kaum einen umfassenden Eindruck der Besonderheiten der altrömischen Küche gewinnt.

Als Aperitif wurde Mulsum gereicht. Der süßliche Trunk besteht aus Weißwein, Honig und Gewürzen und wird im Tonbecher serviert. Unter dem Vorspeise wählte ich Lucanicae mit Fabaciae und einem Mustea. Bei den Lucanicae (Lukanische Würstchen) handelt es sich um eine Art Bratwurst, die relativ grün ist. Sie besteht aus Schweinefleisch und ist mit Pinienkernen, Kreuzkümmel und diversen Kräutern gewürzt. Die Fabaciae virides sind ein Gemüse aus grünen Bohnen. Das Mustea ist ein Weinbrötchen, das seinen besonderen Geschmack von dem darin verarbeiteten Traubenmost und den Aniskörnern bekommt. Achtung: Unten im Brötchen wird immer ein Lorbeerblatt eingedrückt, das man vor dem Reinbeißen entfernen sollte.

Meine Hauptspeise war Pullus mit Cucurbitas et carota frictas mit einem Mustea. Es handelt sich dabei um eine mit Garum marinierte Hähnchenbrust (Pullum). Garum war ursprünglich eine altrömische Würzpaste. Hergestellt wurde sie, indem verschiedene Fischsorten wie Thunfisch, Sardelle, Aal und Makrele inklusive aller Eingeweide in einer Salzlake eingelegt und in die Sonne gestellt wurden. Heute wird Garum meist aus Sardellen in Verbindung mit Steinpilzen und verschiedenen Algen zubereitet. Die Beilage (Cucurbitas et carote frictas) besteht aus gebratenen Zucchini und Möhren, die mit Mandeln und Aprikosen verfeinert sind.

Meine Nachspeise war eine Patina de piris. Das Gericht ist eine Mischung zwischen Pudding und Auflauf, in den Birnen eingelegt sind.
Insgesamt fand ich alle Gerichte ungewöhnlich, aber sehr lecker. Wer aber den Geschmack von Anis nicht mag, dem muss ich davon abraten. Das Gewürz war in allen Speisen deutlich zu schmecken. Von der Vor- bis zur Nachspeise waren alle Gerichte leicht bekömmlich, auch der Alkoholgehalt des Würzweins ist nicht besonders hoch.
Mit 3 Euro für den Mulsum, 7,70 Euro für die Lucanicae, 13,95 Euro für das Pullum und 4,40 Euro für die Patina liegen die Preise nur etwas über dem, was man bei gutbürgerlicher Küche für ähnliche Gerichte erwarten würde. Übrigens: Auch Vegetarier werden auf der römischen Speisekarte fündig.
Wo?
Hauptmarkt 5, 54290 Trier
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 9:30 bis 24 Uhr
im Winter bis 22 Uhr
Website
https://domstein.de/

mich irritieren die grünen Bohnen. Dies sind amerikanische Bohnen, die es erst seit der Entdeckung der neuen Welt in Europa gibt.
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Ich kann nur vermuten, dass früher eine andere Art von Bohnen verwendet wurde, die man heute vielleicht nicht mehr anbaut.
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