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Villa Melzi d'Eril

Villa Melzi d’Eril: ein Garten mit napoleonischem Erbe am Comer See

Bellagio gilt als die Perle des Comer Sees, und direkt am südlichen Ortsrand, im westlichen Arm des Sees, liegt eines der schönsten Zeugnisse seiner großen Vergangenheit: die Gärten der Villa Melzi d’Eril. Schon beim ersten Stück Uferweg wird klar, warum sich hier im 19. Jahrhundert halb Europas Bildungsreisende die Klinke in die Hand gaben – zwischen jahrhundertealten Bäumen, einem maurischen Gartenpavillon und einem kleinen napoleonischen Museum liegt der See wie ein silbernes Band vor den Bergen. Ich war an einem stürmischen Septembertag dort, und die aufgewühlte Wasserfläche machte den Blick von der Uferwiese aus nur noch eindrucksvoller.

Gärten der Villa Melzi d'Eril
Die weitläufige Rasenfläche am Seeufer der Villa Melzi, mit Blick auf das gegenüberliegende Westufer des Comer Sees.

Ein Kanzler Napoleons baut sich ein Denkmal

Auftraggeber der Villa war Francesco Melzi d’Eril (1753–1816), Herzog von Lodi, der als Vizepräsident der von Napoleon geschaffenen Italienischen Republik und später als Großkanzler des Königreichs Italien zu den mächtigsten Männern Norditaliens gehörte. 1808 beauftragte er den Architekten Giocondo Albertolli mit dem Bau eines Sommersitzes am Comer See; bereits 1810 stand der Rohbau, 1813 war auch die Innenausstattung fertig. Albertolli entwarf eine bewusst zurückhaltende, streng symmetrische Fassade, die erst durch eine doppelläufige Freitreppe und vier Löwenfiguren am Ufer ihre Wirkung entfaltet – ein Zeugnis der Ägyptenmode, die Napoleons Feldzüge in ganz Europa ausgelöst hatten.

Die Villa blieb im Besitz der Familie: 1816 erbte sie Giovanni Francesco Melzi d’Eril, der Neffe und Adoptivsohn des Bauherrn, 1832 folgte dessen Sohn Lodovico Melzi d’Eril, Herzog von Lodi. Über eine Heirat gelangte der Besitz später an die Familie Gallarati Scotti, die ihn bis heute hält. Die Villa selbst ist nach wie vor Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden – geöffnet und auf jeden Fall einen Besuch wert sind der Garten, das kleine Museum und die Kapelle.

Villa Melzi d'Eril
Die Villa Melzi ist bis heute Privatbesitz der Familie Gallarati Scotti und ist nicht zu besichtigen – von außen lässt sich die strenge neoklassizistische Architektur aber gut bewundern.

Ein englischer Landschaftspark mit einem maurischen Pavillon

Francesco Melzi d’Eril ließ den Park 1815 im damals hochmodernen englischen Stil anlegen. Er ist bestimmt von weiten Rasenflächen, jahrhundertealte Bäume und dichten Kamelienhecken; im Frühjahr blühen zusätzlich Azaleen und Rhododendren. Für mich hat der Weg am Ufer entlang zur Villa einen besonderen Reiz, immer mit dem See auf der einen und den gepflegten Rasenflächen auf der anderen Seite. Aber es lohnt auch, Abstecher in die kleineren Wege zu machen.

Bleibt man auf dem Hauptweg, begegnet einem bald ein achteckiger Pavillon im maurischen Stil, der „Chiosco Moresco“, mit spitzem Kuppeldach und spitzbogigen Fenstern. Er diente einst als eine Art Teehaus – ein Rückzugsort abseits der Villa, an dem man Tee trank oder Musik hörte. Anders als der übrige Garten stammt er nicht aus der Entstehungszeit der Anlage, sondern wurde später ergänzt. Die vier Marmorbüsten im Inneren zeigen zwei Paare: den österreichischen Kaiser Ferdinand I. und seine Frau Marianna von Savoyen sowie Herzog Lodovico Melzi d’Eril (1820–1886) und seine Frau Giuseppina Barbò.

  • Im Garten der Villa Melzi d'Eril
  • Im Garten der Villa Melzi d'Eril

Ein Stück weiter am Ufer liegt unter den Platanen eine venezianische Gondel – kein Boot für den praktischen Gebrauch, sondern ein reines Prunkstück: Wohlhabende Familien am Comer See schmückten sich im 19. Jahrhundert gern mit solchen venezianischen Gondeln, ganz ohne dass sie hier je zum Übersetzen oder für den Alltag genutzt wurden. Am Fuß der Villa, näher an der Uferpromenade, liegt außerdem ein kleiner Seerosenteich mit einem Putto-Brunnen in Muschelform, von dem aus sich noch einmal ein besonders schöner Blick auf das gegenüberliegende Westufer öffnet.

  • Gondel im Garten der Villa Melzi d'Eril
  • Im Garten der Villa Melzi d'Eril

Kunstwerke und das kleine napoleonische Museum in der Orangerie

Direkt neben der Villa steht, von einer hohen Palme überragt, die ehemalige Orangerie, das Gebäude, in dem einst die Zitruspflanzen überwinterten. Heute beherbergt sie ein kleines, aber sehenswertes Museum. Im Zentrum der Sammlung stehen zwei Kanonen aus dem Italienfeldzug von 1796 sowie die Schlüssel der Stadt Mailand – Erinnerungsstücke an Melzis politische Karriere unter Napoleon. Daneben finden sich ägyptische Altertümer aus der Zeit zwischen 1400 und 200 v. Chr., darunter Stücke aus der Ära Ramses‘ II., sowie eine etruskische Graburne aus der Zeit um 300–200 v. Chr., die aus dem Grab der Scipionen stammen soll. Zur Sammlung gehört außerdem ein Denkmal für Dante und Beatrice des Bildhauers Giovan Battista Comolli – ausgerechnet dieses Motiv soll Franz Liszt, der zwischen 1847 und 1855 mehrfach zu Gast war, zu seiner „Sonata a Dante“ inspiriert haben. Auch Stendhal sowie Percy und Mary Shelley zählten zu den prominenten Besuchern der Villa.

Orangerie im Garten der Villa Melzi d'Eril
  • In der Orangerie der Villa Melzi d'Eril
  • In der Orangerie der Villa Melzi d'Eril
  • In der Orangerie der Villa Melzi d'Eril
  • Im Garten der Villa Melzi d'Eril

Zur Ausstattung gehören unter anderem auch Nachbildungen einzelner antiker Bronze- und Marmorfiguren, darunter eine kleine Bronzestatue eines gehelmten jungen Etruskers und eine Statue der Ceres, der röischen Göttin des Ackerbaus. Beide zeigen, wie sehr sich das Sammlerinteresse der Familie Melzi zwischen politischer Erinnerungskultur und klassischer Antike bewegte.

Von den Ausstellungsräumen aus fällt der Blick immer wieder nach draußen – durch hohe, blau gestrichene Flügeltüren hindurch auf die Palmen und den See, ein schöner Kontrast zwischen den historischen Exponaten drinnen und der Gartenlandschaft draußen.

Die Kapelle: letzte Ruhestätte der Familie Melzi

Am südlichen Ende des Gartens, direkt neben der kleinen Anlegestelle von Loppia, steht die Grabkapelle der Familie. Über dem Altar steht in einer Marmornische die Statue eines Heiligen mit einem schlichten Kreuz, während die Kuppel darüber mit einem feinen, kassettenartigen Muster verziert ist. Besonders eindrucksvoll sind die beiden Grabmonumente an den Seitenwänden: Das eine erinnert an Giovanni Francesco Melzi d’Eril, der die Villa 1816 von seinem Onkel erbte und im Januar 1832 im Alter von 42 Jahren starb. Das andere, ein Werk mit aufwendig drapiertem Baldachin, zeigt die liegende Figur Lodovico Melzi d’Erils, Herzog von Lodi (2. Februar 1820 – 6. Mai 1886), der 1832 die Villa übernahm und sich in Bellagio als Wohltäter einen Namen machte: Die Inschrift rühmt ihn unter anderem für die Gründung von Kinderasylen und Schulen im Ort.

  • Die Grabkapelle der Familie Melzi
  • Die Grabkapelle der Familie Melzi
  • Die Grabkapelle der Familie Melzi

Tipps für deinen Besuch

Wer die Villa selbst betreten möchte, wird enttäuscht: Sie ist bewohnter Privatbesitz und bleibt geschlossen. Umso mehr lohnt sich die Kombination aus Garten, Museum und Kapelle, für die ich – ohne Eile, aber auch ohne jede Ecke doppelt zu besuchen – etwa eine bis eineinhalb Stunden eingeplant habe. Der Eingang liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum Bellagios und von der Fähranlegestelle entfernt, sodass sich ein Besuch gut mit einem Bummel durch die engen Gassen des Ortes oder einer Bootsfahrt hinüber nach Varenna oder Menaggio verbinden lässt.

Ein Besuch lohnt sich übrigens auch bei kräftigem Wind: Ich war selbst bei stürmischem Wetter dort, und die Fähren nach Bellagio verkehren meiner Erfahrung nach auch bei hohem Wellengang fast immer – der aufgewühlte See macht den Blick von der Uferwiese dann sogar noch eindrucksvoller.

Tickets gibt es direkt am Eingang, eine Vorabbuchung ist nicht nötig.

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