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Hauptbau von Schloss Esterházy in Fertöd

Schloss Esterházy in Fertőd – Ungarns größtes Rokokoschloss

Auf meiner zwölftägigen Rundreise durch Ungarn, die mich über rund 2.000 Kilometer quer durchs Land führte, war das Schloss Esterházy in Fertőd eine der ersten Stationen, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Überrascht hat mich dort aber etwas anderes als das Schloss selbst: wie wenige Besucher ich antraf. Bei einem UNESCO-Weltkulturerbe, das gern als „ungarisches Versailles“ bezeichnet wird, hatte ich mit deutlich mehr Trubel gerechnet.

Vom Jagdschloss zum Rokoko-Prachtbau

Seinen Ursprung hat das Schloss in einem vergleichsweise bescheidenen Jagdschloss mit 22 Zimmern, das Fürst Joseph Esterházy 1720 errichten ließ. Zum heutigen Prachtbau wurde die Anlage erst unter seinem Sohn Nikolaus I., der ab 1762 einen umfassenden Ausbau in Auftrag gab. Aus dem Jagdschloss wurde so das größte Rokokoschloss Ungarns: 126 Zimmer, eine Hauptfassade von über 100 Metern Länge. Zu seinen bekanntesten Bewohnern zählte übrigens auch Joseph Haydn, der von 1766 bis 1790 als Hofkapellmeister der Esterházys hier lebte und wirkte – ein Detail, das mir den Ort gleich noch etwas greifbarer gemacht hat.

Blick durch das schmiedeeiserne Haupttor auf die Schlossfassade von Schloss Esterházy

Warum ein Schloss mitten in der Einöde?

Wer zum ersten Mal vor der Anlage steht, fragt sich unweigerlich: Warum baut jemand ein Schloss dieser Größe fernab jeder bedeutenden Stadt, mitten in einer sumpfigen, aber fruchtbaren Ebene am Rand des Neusiedler Sees? Die Antwort hat mit der Familiengeschichte zu tun. Nikolaus I. war der zweitgeborene Sohn und erbte nicht den Hauptsitz der Familie in Eisenstadt – den bekam sein älterer Bruder Paul II. Anton. Also ließ er sich auf eigenem Grund zunächst nur das bescheidene Jagdschloss errichten. Erst als sein Bruder 1762 starb und Nikolaus selbst den Fürstentitel erhielt, änderte sich alles: Er war plötzlich einer der reichsten und mächtigsten Männer der Habsburgermonarchie – und wollte das auch zeigen. Sein Leitsatz soll gelautet haben: „Was der Kaiser kann, kann ich auch.“ Aus dem Jagdschloss wurde eine komplett eigenständige höfische Welt mit Opernhaus, Marionettentheater, rund 150 Mann Leibgarde und Stallungen für 110 Pferde. 1773 empfing Nikolaus hier sogar Kaiserin Maria Theresia.

Blick auf die Gartenanlagen von Schloss Esterházy
Blick auf die weitläufigen Gartenanlagen von Schloss Esterházy

Esterházy? Hat man doch schon mal gehört, oder?

Der Name Esterházy ist bei uns vor allem durch die Esterházy-Torte bekannt, ein Klassiker der Wiener Konditoreien: Tortenböden aus Mandel- oder Haselnussmasse, eine Buttercreme und die charakteristische weiße Fondantglasur mit den feinen, fischgrätartigen Schokolinien. Wer genau die Torte in Auftrag gegeben oder erfunden hat, lässt sich nicht mehr sicher rekonstruieren. Erzählt wird, sie sei nach Fürst Nikolaus II. Esterházy (1765–1833) benannt, einer schillernden Figur am Wiener Kongress. Sicher ist nur: Der Name steht für dieselbe Familie, die auch das Schloss in Fertőd errichten ließ.

Hereinspaziert ins Schloss

Vom Parkplatz aus erreicht man zuerst die niedrigen Nebengebäude gegenüber des Eingangs, in denen sich unter anderem die Ticketkasse und auch eine Gaststätte befinden. Die Beschilderung gleich am Eingang und auch auf Deutsch ist nciht zu übersehen.

Der Schlosshof selbst hat eine Fläche von über 7.000 Quadratmetern und wird von den halbrund angeordneten, eingeschossigen Wirtschaftsgebäuden mit ihren roten Ziegeldächern gerahmt. In seiner Mitte plätschert ein Brunnen mit einer Figurengruppe, umgeben von Beeten.

Erst danach öffnet sich der Blick auf die eigentliche Hauptfassade mit der zweiarmigen Freitreppe, die zum Balkon des ersten Stocks hinaufführt.

  • Nebengebäude von Schloss EsterházyGebäude mit Ticketkasse (Jegypénztár / Kasse)
  • Haupttor zum Schlosshof von Schloss Esterházy
  • Schlosshof von Schloss Esterházy mit im Halbrund angeordneten Wirtschaftsgebäuden
  • Hauptfassade von Schloss Esterházy mit Freitreppe und Brunnen

Ein Rundgang durch die Prunkräume

Im Erdgeschoss beginnt der Rundgang in der Sala terrana. Sie diente ursprünglich als Zugang zum Garten und als Rückzugsort vor der Sommerhitze, in der kälteren Jahreszeit wurde sie als Wintergarten genutzt – Der Stuck mit Blumenmotiven an Wänden und Decke passt dafür perfekt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der metallische Glanz dieser Stuckarbeiten: Schimmernde Girlanden mit roten, goldenen und bronzefarbenen Blüten winden sich in feinen Linien um die Torbögen und wirken dabei fast zerbrechlich. Aus der Nähe betrachtet sind die einzelnen Blüten und Ranken so filigran gearbeitet, dass ich kaum glauben konnte, dass sie die letzten 250 Jahre unbeschadet überstanden haben. Dieser Kontrast aus schwerem Marmorboden und leichtem, glänzendem Dekor macht den Saal für mich zu einem der eindrücklichsten Räume im ganzen Schloss.

Stuckdetail in der Sala terrana im Schloss Esterházy
Sala terrana im Schloss Esterházy
Sala terrana – marmorner Saal im Erdgeschoss mit Deckenfresko und Gartenzugang

Ein Stockwerk darüber liegt der Festsaal, auch Prunksaal genannt. Er erstreckt sich über zwei Geschosse, ist reich mit Spiegeln und vergoldeten Rokoko-Ornamenten ausgestattet und wird von einem Deckengemälde überspannt, das den Triumph Apollos zeigt. Heute finden hier noch Konzerte statt – bei meinem Besuch waren bereits Stuhlreihen für eine Veranstaltung aufgebaut.

Festsaal im Schloss Esterházy

In den privaten Gemächern der fürstlichen Familie wird deutlich, wie viel Wert auf Repräsentation gelegt wurde, auch im Kleinen: Schlafzimmer mit Baldachinbetten aus Seide, Salons mit eingelegten Tischen und feinem Porzellan, ein Kabinett mit schwarz-goldenen Lackpaneelen im chinoisen Stil, wie er im Rokoko europaweit beliebt war, und einzelne Samlungsstücke wie eine Reiseuhr aus dem 18. Jahrhundert..

  • Schlafzimmer im Schloss Esterházy
  • im Schloss Esterházy
  • Wanvertäfelung im Schloss Esterházy
  • Reiseuhr im Schloss Esterházy

Verbindet man die Räume durch die offenen Türen, ergibt sich ein Blick durch mehrere Zimmer hindurch bis zu den Fenstern zum Garten – ein beliebter Effekt der Rokoko-Architektur. Auch das Treppenhaus mit seinen zart bemalten Wänden und dem schmiedeeisernen Geländer lohnt einen genauen Blick.

im Schloss Esterházy
Treppenhaus im Schloss Esterházy

Der Blick vom Belvedere

Im obersten Stockwerk erwartet dich das Belvedere, geschmückt mit Waldmalereien aus dem 18. Jahrhundert. Aus den Fenstern hinaus hast du einen weiten Blick über den gesamten Schlosskomplex: auf den Ehrenhof mit seinen geometrischen Rasenflächen und die halbrund angeordneten Wirtschaftsgebäude – und bis hinüber zum Ort Fertőd mit seinem Kirchturm.

  • Belvedere im Schloss esterházy
  • Wandmalerei im Belvedere im Schloss Esterházy
  • Blick vom Belvedere im Schloss Esterházy
  • Blick vom Belvedere im Schloss Esterházy auf den Ehrenhof

Ich hatte während meines Besuchs nicht die Möglichkeit mir alle Ausstellungen und Gebäude des Schlosses anzusehen. Wer nur zwei oder drei Stunden zur Verfügung hat, sollte sich auf den Hauptteil des Schlosses konzentrieren. Neben diesem gibt es unter anderem eine Prozellansammlung und verschiedene Wechselausstellungen sowie den Rosengarten und das Rosenhaus.

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