Es ist noch früh am Vormittag, als ich mich im Berliner Dom Stufe für Stufe nach oben arbeite. Dann öffnet sich oben eine Tür ins Freie und der Wind weht mir um die Nase: Von der Aussichtsplattform der Kuppel aus liegt einer der schönsten Ausblicke über Berlin vor mir, den ich bisher gesehen habe – die Spree, die Museumsinsel, der Fernsehturm, das und noch viel mehr. Dieser Blick will allerdings verdient sein: über rund 270 Treppenstufen, teilweise eng und kein Aufzug als Alternative. Wer schwindelfrei ist und keine Höhenangst hat, sollte sich diesen Aufstieg auf keinen Fall entgehen lassen. Aber auch ohne die Kuppel zu besteigen, lohnt sich ein Besuch: Der Innenraum des Doms ist für sich genommen schon beeindruckend genug.

Geschichte: Vom Prestigebau zum Wahrzeichen
Der heutige Berliner Dom, offiziell Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin, wurde zwischen 1894 und 1905 nach Plänen des Architekten Julius Raschdorff errichtet und am 27. Februar 1905 geweiht. Er ersetzte einen deutlich kleineren, klassizistischen Vorgängerbau am selben Standort und sollte als evangelische Hauptkirche der Hohenzollern ein bewusst prunkvolles Gegengewicht zu den großen Kathedralen des katholischen Europas bilden. Kaiser Wilhelm II. nahm dabei persönlich Einfluss auf die Planungen. Entstanden ist ein Bau im Stil des Historismus, der Elemente der italienischen Renaissance und des Barock miteinander verbindet.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom schwer getroffen: Beim Bombenangriff vom 24. Mai 1944 zerstörte ein Brand die Kuppellaterne, die daraufhin ins Innere des Gebäudes stürzte. Der Wiederaufbau zog sich anschließend über Jahrzehnte hin: Die äußere Instandsetzung war 1984 abgeschlossen, die aufwendige Innenrestaurierung erst 2002. Mit ihren 98 Metern Gesamthöhe und 33 Metern Durchmesser prägt die Kuppel bis heute die Silhouette der Berliner Innenstadt und ist schon von Weitem zu erkennen.
Der Innenraum: Prunk unter der Kuppel
Schon beim Betreten der Predigtkirche wird klar, wie viel Wert die Erbauer auf Wirkung gelegt haben. Unter der gewaltigen Kuppel öffnet sich der Blick nach oben bis zur Laterne, deren goldene Mosaiken und Gemälde die acht Seligpreisungen zeigen. Im Chorraum erinnern Statuen der Reformatoren Luther und Melanchthon an die evangelische Tradition des Hauses, während farbige Glasfenster mit Darstellungen der Kreuzigung und Auferstehung das Licht in warmen Farbtönen brechen. Der reich vergoldete Altar mit dem schlichten weißen Kreuz bildet dazu einen ruhigen Gegenpunkt.
Beeindruckend ist auch die Sauer-Orgel: Mit 7.269 Pfeifen, 113 Registern und vier Manualen zählt sie zu den größten Orgeln Deutschlands, und ihre imposante Pfeifenfront dominiert den Blick zur Empore am anderen Ende des Kirchenschiffs. Wer Glück hat und während eines Orgelspiels im Dom ist, sollte sich unbedingt kurz hinsetzen und zuhören – der Klangkörper füllt den gesamten Raum.

Im Treppenhaus an der rechten Seite der Kirche entdeckte ich ein kleines historisches Emailleschild: „Aufgang für den Hofstaat, für Diplomaten, Mitglieder des Bundesrats, Reichstags, Herrenhauses, Landtags und für höhere Beamte“ steht darauf zu lesen – ein schönes Detail, das daran erinnert, wer zu Kaiserzeiten hier nach oben auf die umlaufende Empore steigen durfte. Auf diesem Weg bewältigt man auch den ersten Abschnitt der Kuppelbesteigung, während der zweite dann über eine deutlich schmalere Treppe führt.
Der Aufstieg zur Kuppel
Rund 270 Stufen führen über mehrere Zwischenetagen bis zur Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe. Die Wendeltreppe in der oberen Hälfte ist eng und wer unter Platzangst oder Kreislaufproblemen leidet, sollte sich den Aufstieg gut überlegen. Kondition und festes Schuhwerk sind ebenfalls von Vorteil, denn die Stufen sind stellenweise recht unregelmäßig und ausgetreten.
Oben angekommen führt der Weg ins Freie, vorbei an den kupfernen Engelsfiguren, die die Kuppel von außen schmücken – die einen mit Posaune, andere mit einem Becken in der Hand, patiniert in sattem Grün und deutlich größer, als sie von unten auf der Straße wirken. Von dem umlaufenden Aussichtsgang hat man einen 360-Grad-Blick über Berlin: Die Spree schlängelt sich unterhalb vorbei, die Friedrichsbrücke führt hinüber zur Museumsinsel mit dem Alten Museum und der Alten Nationalgalerie, in der Ferne ragt der Fernsehturm am Alexanderplatz auf, und bei klarer Sicht erkennt man sogar die grünen Kuppeln von Deutschem und Französischem Dom am Gendarmenmarkt. Ich rate unbedingt, sich für diesen Moment Zeit zu nehmen und einmal ganz um die Kuppel herumzugehen: Von jeder Seite bietet sich ein anderer Blick auf die Stadt, und man entdeckt immer wieder neue Details, seien es Baukräne im Stadtbild oder die Ausflugsboote unten auf der Spree.
Tipps für deinen Besuch
Tickets für den Berliner Dom gibt es online, an der Kasse oder – besonders praktisch für einen spontanen Besuch – direkt vor Ort an Ticketautomaten am Eingang. Ich habe meines morgens direkt am Automaten gekauft: Die Bedienung ist unkompliziert und selbsterklärend, Kartenzahlung wird akzeptiert, und gerade kurz nach der Öffnung muss man kaum anstehen. Wer den Andrang vermeiden möchte, ist mit einem frühen Besuch gut beraten – dann ist auch die Kuppel selbst noch angenehm ruhig, und das weiche Morgenlicht ist ein zusätzlicher Bonus für Fotos von der Aussichtsplattform.
Rucksäcke und Taschen, die größer als DIN A3 sind, dürfen nicht mit in den Dom genommen werden, wofür es im Untergeschoss aber Schließfächer gibt. Für den Aufstieg selbst lohnt sich festes, flaches Schuhwerk. Und der wichtigste Hinweis zum Schluss: Wer nicht schwindelfrei ist oder Angst vor engen Treppenhäusern hat, sollte auf den Aufstieg lieber verzichten. Der Innenraum allein ist aber auch ohne Kuppelaufstieg einen Besuch wert.










